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Landwirtschaft
Überblick
   Die Landwirtschaft bildet den führenden Sektor und die wichtigste Grundlage der sudanesischen Volkswirtschaft. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 40%. Davon entfallen 25% auf Pflanzenanbau, 17% auf die Viehwirtschaft und ca. 3% auf Forstwirtschaft und Fischerei. Etwa 75% der Erwerbsbevölkerung sind in der Landwirtschaft beschäftigt, auf die rd. 95% der Exporterlöse entfallen. Die meisten einheimischen Industriezweige beziehen ihre benötigten Rohstoffe aus dem landwirtschaftlichen Sektor. Die Landwirtschaft gliedert sich in mehrere Subsektoren, deren Beitrag zum BIP unterschiedlich hoch ist. Ihre Tätigkeitsfelder gehen ineinander über und ergänzen sich gegenseitig.
1. natürliche Ressourcen
2. Bewässerungslandwirtschaft
3. mechanisierter und traditioneller Regenfeldbau
4. Tier- und Fischbestand
5. Bewässerungsanlagen und Wasservorräte
   Durch ihre Bedeutung für die Wirtschaft des Landes hat die Landwirtschaft auch großen Einfluß auf Entwicklungsprogramme.
Seit der Revolution der nationalen Rettung ist die Frage der Ernährungssicherung ernsthaft angegangen worden. Die Weizenanbauflächen wurden vergrößert, in der Bewässerungslandwirtschaft wurde verstärkt Durra (Sorghum vulgare) angebaut, um den Produktionsschwankungen beim Regenfeldbau zu begegnen. Durch die Verringerung der Anbaufläche für Baumwolle in der Bewässerungslandwirtschaft wurde Platz für Getreideproduktion geschaffen. Gleichzeitig regte die Regierung mehrfach an, den Baumwollanbau im Regenfeldbau auszudehnen.
   Es wurde besonderes Gewicht gelegt auf Kleinbetriebe, die die Grundlage für landwirtschaftliche Entwicklung darstellen und auf Gerechtigkeit. Durch Einführung neuer Produkte wie Futterpflanzen, Sonnenblumen und Mais wurden die Bemühungen um eine Diversifizierung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse intensiviert. Im Rahmen der Regierungspolitik hatten die Sicherung des landwirtschaftlichen Inputs und die Einführung von Viehhaltung in die Landwirtschaft oberste Priorität.
   Die landwirtschaftlichen Betriebe wurden durch die Zentralbank finanziert. Dies führte zu einer hohen Verschuldung von Pächtern und Betrieben. Um diesen Zustand zu verbessern, die Finanzierung zu sichern und die Tilgung der Schulden zu garantieren, rief die Regierung ein Fondssystem der Handelsbanken ins Leben.
Insbesondere der traditionelle landwirtschaftliche Sektor hat nach wie vor vielfach Probleme bei der erforderlichen Finanzierung durch Handels- und Spezialbanken. Deshalb verfügte die Regierung, 40% des Kreditvolumens bei den Handelsbanken für den landwirtschaftlichen Sektor zu verwenden. Das Kapital der Landwirtschaftsbank wurde erhöht und weitere Filialen eröffnet. Außerdem wurden zusätzliche Erleichterungen bei der Kreditaufnahme von Kleinbetrieben eingeführt sowie Finanzierungsfonds für landwirtschaftliche Produktion und neue Spezialbanken (Bauernbank und Bank für Tierhaltung) eingerichtet.
 
Allgemeine Ziele des landwirtschaftlichen Sektors
Kurzgefaßt sind folgende Ziele zu nennen:
·  Ernährungssicherung
·  bestmögliche Nutzung der vorhandenen Ressourcen
·  Erhöhung des landwirtschaftlichen Anteils am BIP und der landwirtschaftlichen Einkünfte
·  Steigerung der Exporterlöse aus der Landwirtschaft zur Entlastung und zum Ausgleich der Zahlungsbilanz
·  ausgewogene Regionalentwicklung
 
Natürliche Ressourcen
1. Boden und Klima
Im Sudan finden sich Ebenen, Täler, Hochebenen, Sanddünen und Gebirgszüge. Die landwirtschaftlich nutzbare Fläche beträgt etwa 200 Mio. feddan; gegenwärtig genutzt werden davon 15%, d. h. ca. 30 Mio. feddan. Es gibt Wälder, von Sträuchern bewachsene Flächen und Weideland, die etwa 250 Mio. feddan ausmachen. Dieser Vielfalt an Böden entsprechen die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen in den verschiedenen Landesteilen.
2. Wasservorräte
Die Wasservorräte des Sudan werden gespeist von den Niederschlägen, vom Wasser der Flüsse, vom Oberflächen- und Grundwasser. Nach dem Abkommen von 1959 beträgt der sudanesische Anteil am Nilwasser 18,5 Mrd. m3 jährlich, wovon der Sudan gegenwärtig 12,2 Mrd. m3 nutzt.
Die Grundwasservorkommen verteilen sich auf mehr als die Hälfte der Fläche des Landes und belaufen sich auf rd. 15.200 Mrd. m3, was mehr als der 200fachen Menge des jährlichen Anteils am Nilwasser entspricht.
Die saisonal bedingte Abflußmenge  beträgt ca. 3,3 Mrd. m3. Das Wasser der Wadis (Flußtäler) kann in Becken gespeichert, mit Dämmen gestaut oder als Grundwasser im Sedimentgestein für Bewässerung und Trinkwasser für Mensch und Tier genutzt werden.
3. Waldbestand und Weideflächen
Der Sudan verfügt über ausgedehnte Wald- , Strauchbewuchs- und Weideflächen von insgesamt 250 Mio. feddan. Damit gehört der Sudan zu den Staaten Afrikas mit dem größten Waldbestand. Die wichtigsten Erzeugnisse sind:
 
·  Gummi arabicum
Es zählt zu den wichtigsten volkswirtschaftlichen Einnahmequellen; sein Anteil an den Exporterlösen beträgt 60-65%. Der Sudan ist der größte Lieferant erstklassigen Gummi arabicums. Er produziert zwischen 85-90% des Bedarfs weltweit.
 
·  Heil- und Parfümpflanzen
Der Sudan bietet eine Vielzahl von Heil- und Parfümpflanzen wie z. B. Karkade, Henna, Fenchel, Kreuzkümmel, Anis und Bockshornklee.
 
Wichtigste Bereiche des landwirtschaftlichen Sektors
1. Bewässerungslandwirtschaft
Hier werden landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Baumwolle, Erdnüsse, Zuckerrohr, Koriander, Weizen und Hülsenfrüchte sowie Gemüse (Okraschoten, Auberginen, Tomaten) und Obst (Bananen, Mangos, Datteln, Zitrusfrüchte) produziert.
2. Regenfeldbau
Im Regenfeldbau erzeugte Produkte sind Sesam, Durra, Erdnüsse, Sonnenblumen, Baumwolle, Mais, die Hirseart Pennisetum glaucum (dukhn) und Karkade. Für die Produktion von Gummi arabicum werden Akazienbäume angebaut. Guwwar ist erfolgreich angebaut worden und dient als Klebstoff und wegen seines hohen Proteingehalts als Geflügelfutter.
3. Gartenbau
Die Voraussetzungen von Boden, Klima und Wasservorkommen bieten das ganze Jahr hindurch und insbesondere im Winter vielfältige Möglichkeiten im Gartenbau. Diese Besonderheit ermöglicht es, auch außerhalb der Saison in Europa Gemüse und Obst anzubauen. Insbesondere in der Arabischen Welt sowie in einigen europäischen Staaten besteht große Nachfrage. Folgende Obst- und Gemüsearten haben sich auf dem Markt durchgesetzt: Mangos, Limonen, Grapefruits, Zwiebeln, Auberginen, rote Pfefferschoten (Capsicum conicum), Okraschoten, Melonen.
 
Die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse im Sudan
Nahrungsmittel
·  Durra: Die Anbaufläche im Bewässerungs- und Regenfeldbau belief sich in den Jahren 1992/93 auf 18 Mio. feddan mit einer produzierten Menge von 4 Mio. t.
·  Weizen: Der Anbau dieses Getreides erfolgt nur im Bewässerungsfeldbau. Auf einer Fläche von 800.000 feddan wurden 1992/93 400.000 t produziert.
·  Die Hirseart Pennisetum glaucum: Die Anbaufläche für Dukhn betrug 6.236.000 feddan mit einer Produktionsmenge von 500.000 t.
·  Mais: Auf 49.700 feddan wurden 58.000 t produziert.
Exportprodukte
·  Erdnüsse: Im Bewässerungs- und Regenfeldbau wurden 1992/93 insgesamt 380.000 t produziert.
·  Baumwolle: Die Anbaufläche für Baumwolle macht lediglich ca. 4% der landwirtschaftlich genutzten Fläche aus. Dieser Anteil sank auf rd. 370.000 feddan im Jahr 1992/93 mit einer Produktionsmenge von 1,2 Mio. qintar (1 qintar = 44,93 kg). Diese Verringerung erfolgte im Einklang mit der Regierungspolitik, die auf eine Steigerung der Lebensmittelproduktion im Bewässerungsfeldbau abzielt. Das umfassende nationale Strategieprogramm für die kommenden 10 Jahre jedoch legt einen Schwerpunkt auf die Baumwollproduktion und sieht eine Vergrößerung der Fläche und eine Intensivierung des Anbaus vor.
·  Sonnenblumen: Der Anbau der Ölsamenpflanzen erfolgte 1992/93 auf einer Fläche von 230.000 feddan mit einer Produktionsmenge von 38.000 t.
·  Hülsenfrüchte: Auf einer Fläche von 31.390 feddan werden jährlich rd. 121.000 t produziert.
 
Die wichtigsten landwirtschaftlichen Projekte
 
·  Regierungsprojekte:
Gezira-Projekt, Rahad-Projekt, New Halfa-Projekt, Weißer Nil-Projekt, Blauer Nil-Projekt, Tukardelta-Projekt, Nördliche Projektverwaltung, Agrarprojekt as-Sauki, Behörde für mechanisierte Landwirtschaft
 
·  Entwicklungsprojekte:
Agrarentwicklungsprojekt Süd-Kasala, Kordofan-Projekt, Ruseiras-Projekt, Nuba Berge-Projekt, Marra Berge-Projekt, Projekt as-Safina, Agrarprojekt an-Nuhud, Nördliches Wiederaufbauprojekt, Projekt für Forschung, Beratung und Schulung
 
·  Nichtregierungsprojekte:
Agrarprojekt as-Salit, Agrarprojekt Sandas
 
·  Körperschaften:
Organisation für Agrarstudien, Nationale Forstverwaltung
 
Gezira-Projekt
Das Gezira-Projekt wurde 1911 als Forschungsprojekt für Baumwollanbau auf einer Fläche von 250 feddan ins Leben gerufen. Die Bewässerung erfolgte durch Pumpen am Blauen Nil. Aufgrund des Erfolges wurde eine Vergrößerung der Fläche beschlossen und 1923 der Bau des Staubeckens von Sennar beschlossen. Infolge des Ersten Weltkriegs kam es zu einer Unterbrechung der Arbeiten am Projekt bis 1918. Ungeachtet dessen wurde der Baumwollanbau ausgeweitet bis die bewässerte Fläche 1924/25 rd. 22.000 feddan betrug.
Nach Fertigstellung der Arbeiten am Staubecken 1925 erhöhte sich die Projektfläche von Jahr zu Jahr und Mitte der Fünfziger hatte sie 1 Mio. feddan erreicht. Von 1958 bis 1962 entstand die Managil- Extension, und die Gesamtfläche des Projekts stieg auf 2,1 Mio. feddan.
Die Hälfte der mit Bewässerungsfeldbau bewirtschafteten Flächen im Sudan entfallen auf das Gezira- Projekt. Hier werden die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse für Export und Konsum produziert: Baumwolle, Weizen, Durra, Erdnüsse, Gemüse, Mais und Obst.
Anbaufläche ausgewählter Erzeugnisse 1992/93
Baumwolle 152.000 feddan; Durra 550.000 feddan; Weizen 530.000 feddan; Erdnüsse 188.000 feddan
Gemüse 50.000 feddan; Futtermittel 50.000. feddan; Mais 50.000 feddan; Sonnenblumen 550 feddan
Fruchtfolgen
 
II
III
IV
V
Baumwolle 
Weizen
Weizen
Durra/Erdnüsse 
Gemüse
Durra/Erdnüsse 
Gemüse 
Futtermittel
Futtermittel 
Brache
Brache 
Baumwolle
 
Viehwirtschaft
Ab Mitte der Achtziger begann mit einer Studie die Einführung von Vieh in die Fruchtwechselwirtschaft. Nach erfolgreichem Abschluß der Studie erfolgte die Darwish-Untersuchung und schließlich wurde der Oberste Ausschuß für Umsetzung der 5 Jahres-Fruchtwechselwirtschaft mit dem Vorhaben betraut, für eine bestimmte Zeit die Viehwirtschaft allgemein einzuführen. Die Behörde für Viehwirtschaft im Gezira- Projekt setzte das Programm um und führte die wissenschaftliche und veterinärmedizinische Überwachung der Rinder durch, die zur Rassenveredelung importiert worden waren.
Die Molkereigenossenschaft Barakat nimmt die Tagesproduktion an Milcherzeugnissen entgegen und verarbeitet und vermarktet sie. Die Abteilung Geflügel der Behörde für Viehwirtschaft stellt den Geflügelzüchtern im Gebiet mit Bewässerungslandwirtschaft Küken und Eier zur Verfügung und produziert die Futtermittel.
Die Gezira-Eisenbahn
Sie begann 1919 mit einer Strecke von 20 km. Mit Erweiterung der Projektfläche und Bau der Managil- Extension erreichte die Linie eine Länge von 1300 km.
Die Gezira-Eisenbahn transportiert die Baumwolle zu den Entkörnungsbetrieben und Lagerhäusern, sie befördert Saatgut, Düngemittel und andere Produktionsmittel zu den Feldern sowie die Samen zur weiteren Verarbeitung.
Entkörnungsbetriebe des Projekts
Es existieren 13 Entkörnungsbetriebe im ganzen Projekt: fünf in Marnjan, sieben in al-Hasaheisa und einer in al-Bagir. In der Entkörnungszeit von Dezember bis Ende Juni werden Saisonarbeiter beschäftigt.
Die Regierung des Sudan und die Weltbank vereinbarten den Wiederaufbau der beschädigten Infrastruktur im Projekt im Rahmen eines begrenzten Programms beginnend mit der Saison 1980/81. Dieses Programm umfaßt die Entkörnungsbetriebe, die Eisenbahn, Speicherkapazität, Fahrzeuge, Werkstätten, verschiedene Maschinen, Kommunikation, Steigerung des Saatgutertrages, Musterpflanzungen, Ausbildung u. a.
Die Projektverwaltung
Die Verwaltung besteht aus folgenden Abteilungen:
a. Agrarverwaltung; b. Finanzverwaltung; c. Technische Verwaltung; d. Verwaltungsangelegenheiten; e. Sonderbehörde
 
Rahad-Projekt
Dieses Projektgebiet befindet sich östlich des Flusses ar-Rahad und hat eine Fläche von 300.000 feddan. Das Projekt begann 1973.
Landwirtschaftliche Erzeugnisse
Im Ackerbau: Baumwolle, Erdnüsse, Durra. Von 22 feddan sind 11 für Baumwolle, acht für Erdnüsse und drei feddan für Futterpflanzen vorgesehen.
Im Gartenbau (insgesamt fünf feddan) werden auf einem Obst und auf den restlichen vier Gemüse in Gewächshäusern angebaut.
 
Agrarprojekt New Halfa
Das Projekt befindet sich in der Bitana-Ebene westlich des Atbara ca. 260 km von Khartoum entfernt. Dort wurden in den Jahren 1960-62 auf Versuchsfeldern landwirtschaftliche Testreihen begonnen. Anschließend wurde die 3-Fruchtwechselwirtschaft festgelegt (Erdnüsse, Baumwolle und Weizen) und die Agrarfläche des Projekts in vier Phasen eingeteilt.
1.
Phase:
Ein Großteil der 175.000 feddan war für die Ansiedlung von Nubiern vorgesehen. 1963/64 wurden rd. ein Fünftel davon, d. h. 32.000 feddan der Errichtung von Wohngebieten gewidmet.
2.
Phase:
Von 100.000 feddan waren der größte Teil der Ansiedlung der übrigen Nubier und 1.000 feddan davon der Fertigstellung der Wohngebiete vorbehalten. Der Agrarbetrieb wurde 1965/66 aufgenommen.
3.
Phase:
1966/67 erfolgte auf 45.000 feddan die Ansiedlung von Beduinen und der Agrarbetrieb begann.
4.
Phase:
1966-68 wurden auf 42.000 feddan ebenfalls Beduinen angesiedelt.
Leistungen des Agrarsektors in den Jahren 1989-95
Diese Zeit ist geprägt von einem enormen Aufschwung:
·  Die landwirtschaftliche Fläche wurde vergrößert. Exporterzeugnisse genossen Priorität vor den übrigen Produkten. Schätzungen sprechen von einer Verdopplung der Fläche für die Produktion von Saatgut und Ölpflanzen.
·  Um die Produktivität des sudanesischen Agrarsektors zu erhöhen, unterhalten das Bundeslandwirtschaftsministerium stellvertretend für den Sektor und die Ministerien für Finanzen, Tierbestand, Bewässerung, Arbeit u. a. enge Kontakte rechtlicher, organisatorischer und planmäßiger Art - wie dies auch gegenwärtig der Fall ist. Die Beziehungen zu den Provinzregierungen unterliegen dem Bundessystem.
·  Das Ministerium unterhält Beziehungen zu allen internationalen Organisationen, die im Bereich  landwirtschaftliche Entwicklung tätig sind. Außerdem bestehen bilaterale und regionale Kontakte zu befreundeten Staaten, z. B. im Rahmen der Arab Organization for Agricultural Devlopment, der Food and Agricultural Organization (FAO) und des International Fund for Agricultural Development (IFAD). Enge Beziehungen pflegt der Sudan zu Irak, Iran, Südafrika, Syrien und Tschad, innerhalb derer bilaterale Verträge in den Bereichen landwirtschaftliche Entwicklung und Viehwirtschaft bestehen.
Herausforderungen und Hindernisse
Die Agrarentwicklung war in der Vergangenheit begleitet von großen Herausforderungen. Die wichtigste davon war der Übergang in die Marktwirtschaft:
·  Aufgrund fehlender Unterstützung und der Inflation stiegen die Produktionskosten, so daß die Herausforderung nach wie vor besteht.
·  Die Ausgaben für Kreditfinanzierung stiegen, so daß Kredite bei Bedarf nicht bereitstanden.
·  Die Steuerlast auf landwirtschaftliche Produkte nahm zu, während die Kommunalabgaben weiter entrichtet werden mußten.
·  Es mangelte an Möglichkeiten, die Pläne für Bau und Unterhaltung eines Bewässerungsnetzes auszuführen.
Vorschläge und Lösungen
Analog zu dem oben genannten steht die Tätigkeit im Agrarbereich vor Herausforderungen und Hindernissen bei Infrastruktur, Entwicklung, politischem Input und Finanierung. Angesichts dessen unterbreiten wir folgende Maßnahmen:
·  Errichtung eines landesweiten Kommunikations- und Transportnetzes
·  Revision der Agrarpolitik mit inflationsgebundenen Steuern
·  Förderung von Investitoren bei der landwirtschaftlichen Produktion
·  Erlangung von Autarkie beim Input, insbesondere beim Dünger trotz fehlender Einnahmen im Erdölsektor und Verteuerung des Düngers (Harnstoff) und zunehmender Konkurrenz
·  Ermutigung der im Agrarbereich Tätigen, vor allem der Forscher, weiterzuarbeiten und sich bei Investitionsprojekten u. a. weiter auf Ausschreibungen zu bewerben
·  Schaffung von Institutionen und Ämtern für Vermarktung. Dadurch können die Vermarktungsprobleme gelöst werden, die primär aus mangelnder Systematisierung herrühren.
·  Dokumentation und Sicherung der Informationen
·  Kapitalverkehr und Handelsgesellschaften
Aktionsplan und Vorschläge für 1995/96
·  Intensivierung des Anbaus
·  Abstimmung der Menge der Exportprodukte mit der der Erzeugnisse für Ernährung
·  Ausdehnung des Baumwollanbaus, vor allem im Regenfeldbau
·  Optimale Nutzung der natürlichen Ressourcen
·  Schwerpunkt auf Obst- und Gemüseanbau
·  Verbesserung des landwirtschaftlichen Inputs und der Vermarktungsbedingungen
·  Verwirklichung von Chancengleichheit zwischen den Bereichen Produktion und Anbauarten, insbesondere bei der traditionellen Produktionsweise, um Investitions- und Einkommensgerechtigkeit zu garantieren
·  Realisierung der landwirtschaftlichen Entwicklung durch Produktionssteigerung mit Hilfe von Untersuchungen und Agrarberatung
Ziele und Umfang
Die vorgesehene Fläche umfaßt etwa 38 Mio. feddan, die sich wie folgt aufteilen:
Bewässerungslandwirtschaft 4 Mio. feddan
mechanisierter Regenfeldbau 15 Mio. feddan
traditioneller Regenfeldbau 18,7 Mio. feddan
 

Landwirtschaft und Viehbestand in Südkordofan und ihre Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung des Sudan
Die Provinz Südkordofan befindet sich im Savannengebiet mit einer jährlichen Niederschlagsmenge von 500 - 850 mm. Die für Landwirtschaft geeignete Fläche beläuft sich auf rd. 90.000 qkm.
Durch seine fruchtbaren Böden, seine Weideflächen und Wälder, den Niederschlag, das Grundwasser und den hohen Tierbestand gehört Südkordofan zu den reichsten Provinzen des Sudan. Der Anbau kurzstapeliger Baumwolle wurde 1925 eingeführt. Im Rahmen der Baumwollgesellschaft Nuba-Berge wurde er weiterbetrieben, bis dann die Landwirtschaftsbehörde Nuba-Berge eingerichtet wurde.
Es gibt sieben Baumwollentkörnungsbetriebe in Südkordofan, die mehrheitlich in gutem Zustand sind. Nach Einführung der mechanisierten Landwirtschaft in einigen Regionen wurde die Provinz der zweitgrößte Produzent für Saatgut (Durra, Sesam und Erdnüsse).
Die großflächigen Akazienwälder lieferten 1995/96 mehr als 60.000 t Gummi arabicum.
Künftige Programme
·  Für Produktion und Entkörnung von Baumwolle wird eine Holding gegründet, an der die Provinz 51% und die landwirtschaftlichen Genossenschaften 49% halten.
·  Es wird ein landwirtschaftliches Serviceunternehmen ins Leben gerufen, um veredeltes Saatgut zur Verfügung zu stellen und für Maschinen und deren Wartung zu sorgen.
·  In Zusammenarbeit mit der Nordprovinz wird ein Programm zur Förderung des Gartenbaus und seiner Produkte wie Mangos und Limonen aufgestellt.
·  Für die Viehwirtschaft existieren Pläne und Programme für eine Verbesserung der Rinder- und Ziegenzucht. Zur Nutzung des in Südkordofan reichlich vorhandenen Wassers sind Studien in Vorbereitung.
·  Der Baumwollsektor wird jedes Jahr kontinuierlich vergrößert werden, bis die bewirtschaftete Fläche mehr als 50.000 feddan beträgt (1995: 10.000 feddan). Alle Entkörnungsanlagen werden für die kommende Erntesaison instandgesetzt und gewartet. Es sind Gespräche über den Import von mehr als 2.000 Traktoren für 1997 aufgenommen worden.
Die Provinz Südkordofan verfügt über gute Voraussetzungen für einen großen Anteil am Sozialprodukt des Landes. Insbesondere bei Erzeugnissen für den Export (kurzstapelige Baumwolle, Tierbestand, Gummi arabicum, Ölsamen u. a.) bestehen gute Chancen.