Das Ministerium ermittelt den Bedarf des Landes an Medikamenten, medizinischen Geräten und Bedarfsgütern. Zu ihrer Beschaffung arbeitet es mit den Provinzbehörden zusammen. Es hält Kontakt zu den internationalen, regionalen und nationalen Gesundheitsorganisationen, und bemüht sich um fachliche Unterstützung und Hilfe bei der Medikamentenbeschaffung.
Es ist Aufgabe des Ministeriums, das im Gesundheitswesen tätige Personal zu qualifizieren und auszubilden, um es dann auf die entsprechenden Einrichtungen in der Hauptstadtregion und in den Provinzen zu verteilen.
Für Therapie und Prophylaxe stehen folgende politische Entscheidungen an: Umsetzung des Programmes Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000 durch Einrichtung von Gesundheitszentren und Ausbau und Förderung der medizinischen Versorgungsstellen auf Bezirksebene. Damit sollen alle die Möglichkeit zu medizinischer Versorgung in der Nähe ihres Wohnortes erhalten. Das Ministerium versucht, die wichtigsten Medikamente bereitzustellen und die Herstellung von Medikamenten im Lande zu fördern, um in diesem Bereich bis zum Beginn des nächsten Jahrhunderts Selbstversorgung zu erreichen.
Die Verpflichtungen aufgrund internationaler und nationaler Vereinbarungen zum Schutze, zum Überleben und für die Entwicklung des Kindes sollen eingehalten werden. Auslandsverbindungen sollen gestärkt werden, um Mittel zum Ausbau der Gesundheitsdienste durch internationale und nationale Organisationen zu beschaffen. Mit den Staaten der Region, mit befreundeten Staaten und den arabischen Bruderstaaten sollen Abkommen für einen Austausch in den einzelnen Bereichen des Gesundheitswesens unterzeichnet werden.
Es werden alle Maßnahmen ergriffen, die geeignet sind, eine bessere Umwelt zu schaffen und ihre Zerstörung und deren Auswirkung auf die allgemeine Gesundheit zu beenden. Neben anderen vorbeugenden Maßnahmen soll z.B. sauberes Trinkwasser und ein Kanalisationssystem bereitgestellt werden. Verschmutzung soll vermieden werden. Es soll Umweltbewußtsein geschaffen und Aufklärung in Fragen der Hygiene und Gesundheit allen zugänglich gemacht werden.
Das Ministerium kümmert sich gezielt um die Ausbildung im Gesundheitswesen und fördert den Erfahrungsaustausch mit den Nachbarstaaten.
In Abstimmung mit den Gesundheitsministerien der Provinzen wird versucht, in den Provinzen eine Verwaltungsstruktur einzuführen, die vergleichbar ist mit den Strukturen auf Bundesebene.
Erfolge
Obwohl die wirtschaftlichen Bedingungen des Landes 1996 sehr schwierig und die Mittel der Nation sehr knapp waren, konnte das Bundesministerium für Gesundheit in diesem Jahr doch etliche Erfolgen verzeichnen. So in den Bereichen Planung, Entwicklung, medizinische Prophylaxe und medizinische Grundversorgung, aber auch in der therapeutischen Medizin. Medizinische Dienstleistungen wurden ausgebaut, die Versorgung mit Medikamenten wurde verbessert und medizinische Grundbedarfsartikel konnten bereitgestellt werden. Darüber hinaus wurde das Ministerium umstrukturiert, um eine Anpassung an die Veränderungen durch das föderale System zu erreichen.
Im Bereich der internationalen Beziehungen
Hilfeleistungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von über 9 Mio. US$ für die Jahre 94/95 - 96/97. Dies ist die höchste Summe, die von der WHO an eines der Länder in der Region des östlichen Mittelmeeres gezahlt wurde. Auch die UNESCO unterstützte Projekte im Gesundheitsbereich mit Zuwendungen von über 4 Mio. US$. Mit der „Operation Lebensadern“ beteiligt sie sich an einem Projekt zur Verbesserung der Lebensqualität. Obwohl der einheimische Partner dieses Projektes das Ministerium für soziale Planung ist, betrifft diese Aktion überwiegend den Gesundheitsbereich.
Der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) unterstützte das Ministerium zwischen 1990 und 1995 mit einer Summe in Höhe von 600.000 US$ zum Zwecke der Katastrophenprävention und -hilfe.
Im Jahr 1996 wurden durch internationale Organisationen Medikamente im Wert von insgesamt etwa 1.500.000 US$ eingeführt.
Hinzu kommt die von den Organisationen der Vereinten Nationen und den Finanzierungsinstituten in der Region geleistete umfangreiche Unterstützung, die in hohem Maße dazu beitrug, daß die Arbeit im Gesundheitsministerium vorangbracht werden konnte. Die Abkommen im Gesundheitsbereich konnten weiter umgesetzt werden. In diesem Bereich war man vor allem in Asien, Afrika und der Arabischen Welt, besonders in Indonesien, Jordanien, China, dem Jemen und dem Iran aktiv geworden.
Auch ist man bestrebt, Abkommen und Aktionsprogramme mit der Türkei, Syrien und Korea zu erneuern.
Ein Memorandum wurde in gegenseitigem Einverständnis unterzeichnet; darauf muß nun ein Aktionsprogramm mit Indien und Pakistan folgen.
Staaten, mit denen noch Gespräche und Beratungen zur Unterzeichnung eines Memorandums geführt werden, sind Nigeria,Südafrika, Malaysia, der Irak, die Ukraine, der Tschad, Zentralafrika, Slovenien, Schweden, Ungarn, Deutschland und Polen.
Neubauten Im Gebäude der Staatlichen Gesellschaft zur medizinischen Versorgung wurde eine Stelle für Qualitätskontolle errichtet. Die Kosten beliefen sich auf 15 Mio. Pfund, die im Lande selbst aufgebracht werden konnten, zusätzlich zu 25.000 US$ für die Einrichtung. Drei Fabriken zur Herstellung von Medikamenten wurden gebaut, die den Vorschriften und der Kontrolle durch die pharmazeutische Generalverwaltung unterliegen.
56 Apotheken wurden eröffnet. Insgesamt gibt es landesweit 242 Filialen.
In Khartum wurde auf dem Gelände der ehemaligen Unfallambulanz eine Frauenklinik gebaut. Allein die Baukosten beliefen sich auf 262 Mio. Pfund. Hinzu kamen die importierten medizinischen Einrichtungen.
Derzeit wird die zentrale Chirurgie des Krankenhaues von Khartum saniert. Dies war dringend erforderlich, da in den letzten zwanzig Jahren keine Erneuerungen vorgenommen wurden. Die Kosten für die Bauarbeiten betragen etwa 161 Mio. Pfund. Außerdem werden die vorhandenen Geräte vollständig durch eine moderne, bereits importierte Ausstattung ersetzt.
Präventivmedizin
Inzwischen haben die Kommunikationsmittel und Mittel zur Früherkennung von Krankheiten, Katastrophen und Epidemien einen höheren Standard. So kann auch das Stadium der Epidemien und die Nilflut beobachtet werden. Außerdem konnten die für die Notversorgung erforderlichen Medikamente verteilt werden. Zur Bekämpfung endemischer Krankheiten wie Lepra, Erblindung, Malaria und Bilharziose wurden nationale Projekte eingerichtet.
Medizinische Grundversorgung
Bis zum Ende des Jahres 1995 konnte bei der Immunisierung von Kindern unter einem Jahr erstmals ein Prozentsatz von 73,6% für den ganzen Sudan verzeichnet werden.
Zudem konnten die nationalen Kampagnen zur Ausrottung der Kinderlähmung bewirken, daß die erste Schluckimpfung im Norden 97,2% und landesweit 81,7% der Kinder erreichte. Die zweite Schluckimpfung wurde landesweit an 84,2% Kinder verabreicht.
Ernährung und Versorgung
Die Herstellung von Speisesalz erfolgt heute unter Zusatz von Jod. Hierfür wurden die erforderlichen Maschinen in den Salinen der Provinz Rotes Meer installiert.
Über 2000 traditionelle Dorfhebammen konnten an Ausbildungslehrgängen teilnehmen. Ihre medizinischen Geräte wurden erneuert.
Verbesserung der Gesundheitsdienste
In der Provinz Khartum wurde ein Krankenversicherungssystem eingeführt. Aufgenommen wurden Lehrer und im Gesundheitsbereich Beschäftigte. Die Provinz wurde hierfür mit einer Summe von 130 Mio. Pfund unterstützt. Das Krankenversicherungssystem wurde auch in der Provinz Sennar eingeführt, die mit 115 Mio. Pfund unterstützt wurde. Die Einführung des Systems auch in den Provinzen Nil, al- Jazira, Gedaref und Rotes Meer ist in Vorbereitung.
Versorgung mit Medikamenten und medizinischen Bedarfsartikeln
Die "Öffentliche Anstalt zur Medizinischen Versorgung" ist zuständig für die Beschaffung in diesem Bereich. Sie fördert die einheimische Herstellung von Arzneimitteln, sichert den Einkauf für diesen Sektor und unterstützt ihn bei der Finanzierung. Waren, die für die Produktion benötigt werden, können zu erleichterten Bedingungen importiert werden. Auch die Vermarktung der Produkte wird unterstützt.
96% der unterschiedlichen Arten von Medikamenten, die in den privaten Apoteken nachgefragt werden, konnten bereitgestellt werden. Des gleichen Geräte, Anlagen und medizinische Bedarfsartikel im Wert von 38 Mio. US$. Für die pharmazeutische Industrie wurden Waren im Wert von 9,5 Mio. US$ importiert. Diese deckten 60% des Gesamtverbrauches ab.
Entwicklung des Humankapitals im Gesundheitsbereich
Über 4000 Arbeitskräfte wurden im Pflegebereich und 265 Personen in den Bereichen Medizin, Pharmazie und den dazugehörigen Techniken in langen, fachspezifischen Bildungsgängen ausgebildet. Außerdem wurden 45 Krankenschwestern auf unterschiedliche Fachbereiche spezialisiert. Die Genehmigung für die Eröffnung von drei Hilfspflegeschulen liegt vor. Die für die Ausbildung benötigte Ausstattung von fünf Hebammenschulen und fünf Krankenpflegeschulen kann bereitgestellt werden.
Das zweite Drei-Stufen-Programm von 1994/95
Das Programm, das mit dem Jahr 1995 abgeschlossen wurde, beinhaltete die Umsetzung umfassender sozialer Ziele und Fortschritte im Gesundheitswesen. Der Schwerpunkt lag bei der Verbesserung der Gesundheit von Mutter und Kind. Durch diesen Ansatz sollte sich der Gesundheitszustand der Kinder allgemein verbessern, die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren sollte etwa auf ein Drittel von Tausend Lebendgeburten gesenkt werden. Gleichzeitig sollte die Rate der Fälle von Unterernährung bei Kindern unter fünf Jahren auf die Hälfte gesenkt werden. In diesem Zusammenhang wurde das Stillen in den ersten zwei Jahren gefördert und man war bestrebt, durch niedrigere Geburtenraten den Durchsch
itt der untergewichtig geborenen Kinder
u senken. Außerdem wurde versucht, gefährliche Kinderkrankheiten wie Masern, starke Entzündungen der Atemwege und Diarrhöe in den Griff zu bekommen, die jährlich Hunderte von Kindern hinwegraffen.
Dieses Programm sah auch vor, die Immunisierungsrate von Kindern unter einem Jahr auf über 80% zu heben, und zwar in möglichst allen Provinzen. Zudem sollte die Kinderlähmung durch Impfungen im ganzen Land gänzlich ausgerottet werden. Alle nötigen Maßnahmen wurden ergriffen, um Mütter während und na
h Schwangerschaft und Geburt sowie in der Stillzeit zu schützen und sie während der Schwangerschaft zu betreuen, damit die Sterblichkeitsrate von Frauen bei der Geburt auf etwa die Hälfte der gegenwärtigen Rate gesenkt werden kann.
Das Programm enthält auch einen detaillierten Plan zur Bekämpfung endemischer Epidemien, in erster Linie Malaria. Diese Krankheit ist stark verbreitet, was von den Gesundheitsbehörden mit Sorge wahrgenommen wird.
Krankenhäuser
Das Ministerium möchte die Versorgung des Landes mit Krankenhäusern verbessern. Dem schlechten Zustand, der sich in letzter Zeit drastisch verschärft hat, soll Abhilfe geschaffen werden. Es werden ausgebildetes Personal, Ausstattung und die benötigten medizinischen Geräte bereitgestellt. Die Krankenhäuser und Spezialkliniken sollen entsprechend kontrolliert werden, damit sie ihre Aufgaben so gut wie möglich erfüllen.
Ausbau des Gesundheitswesens
Für den Aufbau und die Entwicklung einer Gesellschaft ist der Ausbau der Gesundheitsfürsoge eine stets aktuelle Aufgabe.
Ganz ohne Zweifel muß die Planung der sozialen Entwicklung, welche die Entwicklung im Gesundheitsbereich einschließt, mit der wirtschaflichen Entwicklung einer Gesellschaft in Einklang stehen. Denn sie bedingen sich gegenseitig. Nur so können die eigene Kultur wieder auf allen Ebenen gefestigt, Wohlstand erreicht, die Existenz gesichert und die Werte erhalten werden.
Daraus geht klar hervor, daß Gesundheit nicht nur ein Dienstleistungsbereich, sondern ein zentrales Anliegen der Gesellschaft ist. Um diese Aufgabe mit all ihren Aspekten zu erfüllen, müssen alle gesellschaftlichen Kräfte eingesetzt werden. Die Verantwortung, Gesundheit für alle zu erreichen, um danach die Gesundheitsdienste weiter ausbauen zu können, liegt bei der Gesellschaft als Ganzes.
Gesundheit von Mutter und Kind
Kinder unter 15 Jahren und Mütter machen über 70% der Einwohner des Sudan aus. Die Statistiken belegen, daß Kinder und Mütter im Bevölkerungsdurchschnitt besonders oft krank sind. Die Geburtenraten sind hoch bei gleichfalls hohen Sterblichkeitsraten von Müttern und Kindern.
Weiter geht aus den Statistiken hervor, daß die Nahrungsmittelversorgung in den einzelnen Landesteilen des Sudan sehr unterschiedlich ist. Daher soll die Versorgung von Müttern und Kindern verbessert und überall Familienplanung eingeführt werden, damit das Programm im ganzen Land Fuß fassen kann.
Durch Unterernährung bedingte endemische Erkrankungen und Epidemien
Die durch natürliche und menschliche Einflüsse zunehmenden Umweltprobleme führten dazu, daß sich endemische, ansteckende und durch Unterernährung bedingte Krankheiten ausbreiten konnten. Denn Trockenheit, Desertifikation, Hungerkatastrophen, Hitze und Überschwemmungen einerseits sowie andererseits Landflucht, Flüchtlingsbewegungen aus benachbarten Staaten in den Sudan und die Einführung neuer Projekte, deren Folgen nicht ausreichen abgeschätzt wurden, sind allesamt Faktoren, die zur Verbreitung dieser Krankheiten beitragen. Ein immer weniger ausgeprägtes Bewußtsein, vorausschauend zu denken, verhinderte es, daß ernsthaft versucht wurde, die Verschlechterung der Umwelt und des allgemeinen Gesundheitszustandes aufzuhalten.
So konnten sich diese Krankheiten besonders stark verbreiten und führten bei den stationär und ambulant Behandelten häufig zum Tod.
Gesunde Umwelt
Die Ausdehnung der besiedelten und landwirtschaftlich genutzten Flächen, Flüchtlingsbewegungen und informelle Siedlungen führten dazu, daß sich die Umweltbedingungen besorgniserregend verschlechterten. Dies brachte mit sich, daß Infektionen einerseits und der Bedarf an Medikamenten andererseits kontinuierlich zunahmen.
Die Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist in den Sädten nur zu 60%, und auf dem Land nur zu 10% gewährleistet. Systeme zur Entsorgung von Fäkalien, Hausmüll und infektiösen biologischen Abfällen sind nicht oder nur teilweise vorhanden.
Der Zustand der Umwelt wirkt sich auf die Gesundheit der Bevölkerung deutlich negativ aus, was abzulesen ist an der Verbreitung endemischer Krankheiten, Epidemien und Krankheiten durch Unterernährung. Hinzu kommen Schädigungen durch die Anhäufung von Müll und Umweltverschmutzung.
Derzeit wird ein Arbeitskreis vorbereitet, der eine Politik für eine saubere Umgebung erarbeiten soll. Allgemeine Richtlinien zur Definition einer sauberen Umgebung wurden bereits aufgestellt. Es wurde analysiert, welche Konsequenzen dies für die Regierung, die Verwaltungsstellen im ganzen Land und für die Verwaltungsstrukturen auf allen Ebenen des Gesundheitswesens hat. Auch die bei der Umsetzung zu erwartenden Probleme wurden bereits erörtert.
Medikamente und ärztliche Versorgung
Obwohl die Aufwendungen für Gesundheitsdienste im Sudan nicht unbeträchtlich sind, bleibt die medizinische Versorgung seit über zehn Jahren hinter den Anforderungen zurück. 1990 konnte der Staat lediglich 50% des dringend benötigten Bedarfes zur Verfügung stellen. Der Privatsektor konnte nur 50% der Medikamente auf der Liste der dringend benötigten Arzneimittel bereitstellen. Die sinkenden Wachstumsraten und der Bevölkerungszuwachs führten dazu, daß der Staat weniger Geld für den Gesundheitsbereich zur Verfügung hatte. So sank der Anteil dieser Ausgaben am Haushaltsetat von 5,4% 1972 auf 1,3% 1983. Studien machen deutlich, daß sich die Gesun
heitsdienste in erster Linie aus drei Gründen verschlechtert haben: schlechte Verteilung der vorhandenen
apazitäten unzureichendes System der medizinischen Grundversorgung starke Zunahme der Kosten für die Gesundheitsfürsorge.
Die Gesundheitsfürsorge gilt bei der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung von Individuum und Gesellschaft als wesentliches Element. Sie erlaubt eine tiefgreifende Wiederbelebung der Zivilisation des Landes und bringt es zurück zu seiner eigentlichen Stärke. Aus diesem Grunde strebt das Land danach, die Gesundheitsdienste zu entwickeln und allen zugänglich zu machen und fühlt sich verpflichtet, Gesundheit in einem ganzheitlichen Sinne zu einem Gut für alle zu machen. Deshalb bemüht sich der Staat um eine Grundversorgung für alle. Dabei spielen die Arzneimittel mit ihrer vorbeugenden, heilenden oder regenerierenden Wirkung für die Gesundheit des Menschen eine wesentliche Rolle. Der Staat muß also eine umfassende, für alle verbindliche Arzneimittelpolitik entwerfen, um im Rahmen seiner Möglichkeiten die Bürger mit den erforderlichen Medikamenten zu versorgen.
Vor dem Hintergrund der Veränderungen im Inland, aber auch weltweit, und im Hinblick auf die Veränderungen in der Wirtschafts-, Sozial- und Gesundheitspolitik engagierten sich alle beteiligten Seiten sowohl im öffentlichen als auch im Privatsektor bei der Neuformulierung dieser nationalen Arzneimittelpolitik.
Die nationale Arzneimittelpolitik gibt einer Grundversorgung mit Medikamenten oberste Priorität. Es wird eine Auswahl der dafür benötigten Medikamente getroffen, die der Staat dann zu beschaffen versucht. Hierfür wird entsprechend den festgelegten Bestimmungen ermittelt, ob sie für die Gesundheit der Bürger tatsächlich notwendig sind, ob sie zuverlässig wirken, ob sie im Lande erhältlich sind und ob ihre Kosten im Rahmen der Möglichkeiten des Landes bleiben.
Jede Stelle oder jede Person, die am Prozeß der Herstellung bis zur Abgabe an den Kranken beteiligt ist, ist für die Qualität der Stoffe oder Arzneimittelpräparate verantwortlich. Der Bundesrat der Pharmazie und seine ausführenden Organe haben vor, für die Gütegarantie der Stoffe und pharmazeutischen Produkte, die im Lande in Umlauf sind, ein System einzuführen. Der öffentliche Sektor ist gehalten, sich bei der Arzneimittelbeschaffung nach den nationalen Listen der Medikamente des Grundbedarfs zu halten. Dafür ist es erforderlich, sofort ein System für eine ausgeglichene, landesweit geltende Medikamentenversorgung aufzustellen, das alle grundlegenden Medikamente geregelt in Umlauf bringt. Der tatsächliche Bedarf der Einrichtungen des öffentlichen Sektors muß gründlich ermittelt werden. Dann wird das Verfahren im einzelnen festgelegt: Art der Medikamente, Verpackungsweise, Zulieferung, Qualitätskontrolle, Bezahlung und Auszeichnung des Preises für die Medikamente. Der Kauf läuft über öffentliche Ausschreibungen, an denen sich nur eingetragene Firmen beteiligen. Geliefert wird in Großpackungen und in zur Lagerung geeigneten Verpackungen entsprechend den Verfahren, auf die man sich auf staatlicher Ebene, in den Regionen und in den medizinischen Einrichtungen geeinigt hat. Die Abfüllung und Verteilung wird so gestaltet, daß die Medikamente unversehrt alle medizinischen Einrichtungen erreichen. Alle Sorten sind bei ihrer Auslieferung und die Lagerbestände regelmäßig auf ihre Qualität hin zu kontrollieren. Außerdem müssen die in den verschiedenen Phasen der Arzneimittelbeschaffung Beschäftigten aus- und weitergbildet werden. Das gleiche gilt auch für Apotheker und das Personal in Spezialbereichen.
Im Privatsektor sollen die Importe nur anhand der Liste der Medikamente des Grundbedarfs getätigt werden. Wenn dies deutlich günstiger ist, soll der Import von Großpackungen bevorzugt werden. Die Importpolitik soll sinnvoll umgesetzt und in geeigneter Weise auf den Privatsektor abgestimmt werden. Der Bedarf des Privatsektors für eine bestimmte Zeit soll geschätzt werden.
Ausgehend von fundierten Untersuchungen soll die einheimische Arzneimittelproduktion die Grundversorgung mit Medikamenten sicherstellen. Die Produkte sollen sogar exportiert werden. Der einheimischen Produktion dieser Arzneimittel sollen die entsprechenden Untersuchung
n zugrunde gelegt werden. Die Hersteller im Sudan müssen sich an den geforderten Standard beim
roduktionsverfahren halten und sollen möglichst einheimische Rohstoffe verwenden.
Die Krankenhausapotheken werden vom Ministerium weiterentwickelt. Ihre pharmazeutische Arbeit soll ausgebaut werden, so daß einige Arzneimittelsorten in den Krankenhäusern selbst hergestellt werden können. Derzeit bemüht man sich, die Grundstoffe dafür bereitzustellen. Diese Aufgabe soll von pharmazeutischen Ausschüssen in den Krankenhäusern wahrgenommen werden.
Im Bereich der Volksheilkunde wird der Anbau von Heilpflanzen, die ätherische Öle enthalten, ausgedehnt. Betriebe werden eingerichtet, um aus den Wirkstoffen dieser Pflanzen Extrakte herzustellen und diese weiterzuverarbeiten. Der Bau von Fabriken, die Naturheilmittel und Medikamente aus der Volksheilkunde herstellen, wird gefördert.
Die allgemeinen Richtlinien dafür, wie die Gesundheitsdienste einer Region auszusehen haben, liegen vor. Sie beziehen sich auf Leitung, geographische Ausdehnung und Verwaltungsstruktur auf allen Ebenen der medizinischen Versorgung. Auch die Probleme, die sich bei der Umsetzung ergeben könnten, wurden berücksichtigt. In jeder Region soll sich ein medizinisches Team, ein Gesundheitsrat unter der Leitung eines Arztes, ein Inspektor
ür die Krankenstationen, eine Kontrollbesucherin der Geundheitsbehörde, ein Statistiker, ein Gesundheitsinspektor, ein medizinisch- technischer Assistent, ein Immunologe, ein Apotheker, ein Zahnarzt, ein Augenarzt und ein Ernährungsberater befinden.
Die Zuständigkeiten des Teams und seine Beziehungen zu den Regierungsstellen im jeweiligen Bezirk wurden genau festgelegt. Ihm wurde die Befugnis erteilt, Gesundheitsfragen unter den Stellen in diesem Bereich zu koordinieren und ihre Rolle festzulegen. Auch gibt es bereits eine Vorstellung davon, inwieweit die Bevölkerung in die Planung, Ausführung und Finanzierung der Gesundheitsdienste in den einzelnen Regionen einbezogen wird und welche Rolle das Team bei der Finanzierungsstelle spielt.
Medizinische Behandlungen stellt das Gesundheitsministerium über seine unterschiedlichen Gesundheitsdienste zur Verfügung. Obwohl einige dieser Einrichtungen erweitert und aufgewertet wurden, muß festgestellt werden, daß die behandelnden Gesundheitsdienste auf allen Ebenen sehr schlecht ausgestattet und stark erneuerungsbedürftig sind. Außerdem ist ihre Verteilung auf die einzelnen Provinzen des Sudan sehr unausgeglichen. Nach einem im Anhang aufgeführten Plan beträgt die Bevölkerungsdichte in der Provinz Khartum 2.6 Mio. Einwohner, was 10% der gesamten Einwohner des Sudan (26 Mio.) entspricht. Die Provinz Khartum ist bei weitem am besten mit Gesundheitsdiensten ausgestattet: Es arbeiten dort 1361 Ärzte bei einer statistischen Gesamtzahl von 3117 Ärzten sowie 374 Fachärzte, also 54,2% und 58,8%. Im Sudan gibt es 24 Krankenhäuser und Fachkliniken, 16 davon (67%) sind in der Provinz Khartum. Wegen der drastischen Verschlechterung bei den Behandlungen lassen sich viele im Ausland behandeln. Dies können sie entweder über die Gesundheitskommission beantragen. Die andere Möglichkeit ist, die Behandlung von im Ausland lebenden Angehörigen finanzieren zu lassen. Das wirkt sich sehr belastend auf die Deviseneinkünfte des Sudan aus, die aus Überweisungen von den im Ausland Arbeitenden erwartet würden. Daten der Bank des Sudan belegen, daß in der Zeit vom 1.7.1989 bis zum Februar 1992 über die Gesundheitskommission folgende Überweisungen für Behandlungen getätigt wurden: Überweisungen nach Westeuropa in Höhe von 3.932.628 $ Überweisungen an die Arabische Republik Ägypten 7.040.000 $ . Das System der Gesundheitsteams in einer bestimmten Region wird bereits angewandt. Es zielt darauf ab, herauszufinden, welche Krankheiten vorkommen, warum sich der Zustand der behandelnden Einrichtungen so verschlechtert hat und dies näher zu beschreiben. Es soll herausgefunden werden, was für die jeweilige Region am dringendsten benötigt wird. Die Gesundheitsdienste der Region sollen an andere Versorgungszentren angeschloßen werden und sich in der Nähe von Industrieanlagen und Landwirtschaftsprojekten befinden, damit die Gesundheitsdienste den einzelnen in unmittelbarer Nähe ihres Wohnortes zur Verfügung stehen. Das Gesundheitsministerium nahm einige Umverteilungen vor und bietet nun auch Behandlungsdienste in Form von Krankenstationen an. Auf je 5000 Einwohner soll eine solche Station kommen, auf je 10.000 Einwohner soll ein Gesundheitszentrum und auf alle 40.000 Einwohner ein Krankenhaus. Für die Krankheit, die in der Region am meisten verbreitet ist, soll eine Spezialklinik eingerichtet werden.
Mit der Einführung gängiger Medikamente müssen auch die Gesundheitseinrichtungen auf eine wirtschaftliche Behandlungsweise umgestellt werden. Die Gesundheitszentren arbeiten in drei Schichten, auf diese Weise können die Krankenhäuser entlastet werden. Die aus der effizienten Behandlungsweise erworbenen Einkünfte werden für den Ausbau und die Instandhaltung der Gesundheitszentren verwendet. Außerdem können die Behandlungen für die Angestellten günstiger angeboten werden.
Die Versorgung mit Medikamenten und ärztlichen Bedarfsartikeln ist noch immer nicht im erforderlichen Maße gewährleistet, nicht einmal die wirklich notwendige Ausstattung ist gewährleistet. Medikamente und das Input für die pharmazeutische Industrie müssen importiert werden.
Folgende Daten geben Auskunft über die Arzneimittelimporte:
* Arzneimittelimporte im Privatsektor 1991-92 (bis Ende September):
Medikamente im Wert von 15.279.747 bzw. 11.950.901 US$
* Importe als Input für die pharmazeutische Industrie:
7.245.956 bzw. 2.409.985 US$
* Arzneimittelimporte im öffentlichen Sektor:
440.000 bzw. 2.770.000 US$
* Arzneimittelimporte im Rahmen des Abkommens mit Jordanien:
323.856 bzw. 373.492 US$
* Arzneimittelimporte im Rahmen des Abkommens mit Ägypten:
536.000 bzw. 500.000 Rechnungsdollar
Die Provinz Khartum schloß mit der britischen Organisation für Kinderfürsorge ein Abkommen zur Finanzierung von Gesundheitszentren und Krankenstationen auf dem Land. Das System der Medikamentenbeschaffung, das auf eine Grundversorgung abzielt, soll sich selbst tragen, indem die Nutzer einen Selbstkostenpreis bezahlen.
Das Projekt der Arzneimittelgrundversorgung startet mit einem Anfangskapital zum Einkauf der benötigten Medikamente. Der Erlös wird dafür verwendet, eine kontinuierliche Versorgung sicherzustellen, ohne daß dafür Zuschüsse von der Regierung oder dem Geldgeber erforderlich sind.
Dieses System bietet eine gute Gelegenheit, die Bevölkerung an den Behandlungskosten der Gesundheitsdienste zu beteiligen. Der Wert der Medikamente wird so mehr geschätzt und infolgedessen wird sorgsamer damit umgegangen, was bei einer kostenlosen Behandlung nicht der Fall ist.
Ein weiteres wichtiges Anliegen des Gesundheitsministeriums und der Krankenhäuser sind die Sanitätsdienste. Damit ist in Notfällen schnelles Handeln möglich, tausende von Menschenleben können so gerettet werden. Auch einige Symptome, die einer speziellen Behandlung bedürfen, können sofort behandelt werden.
Ein neues Projekt der Sanitätsdienste begann in der ersten Augustwoche 1996 im Distrikt Khartum und dem Awliya-Berg und deckt die besiedelten Gebiete ab. 15 Sanitätswagen stehen zur Verfügung, die mit modernsten Geräten ausgestattet sind. Die Krankenwagen sind auf folgende Behandlungen eingestellt: Sofortmaßnahmen bei Verkehrsunfällen, schwere Atemnot, starke Blutungen, Bewußtlosigkeit und Geburten.
Die Rettungsdienste können über das Telefon und die Polizeistationen gerufen werden. In den Fahrzeugen arbeiten Ärzte, Sanitäter und Pfleger, die bei ihren Einsätzen bereits große Erfolge gezeigt haben. Bei dieser Arbeit gibt es kein ehrenamtlich tätiges Hilfspersonal, alle Beschäftigten sind Bedienstete des Gesundheitsministeriums.
Das Türkische Krankenhaus
In Kalakala al-Qubba wurde am 2.7.1996 das Türkische Krankenhaus eröffnet. Es ist zweifellos eine echte Bereicherung, denn das Ministerium schätzt die Anzahl der Bürger, die von dem Krankenhaus profitieren werden, auf 700.000. Es handelt sich um ein Kinderkrankenhaus und eine Frauenklinik mit 64 Betten.
In seiner ersten Phase nahm das Krankenhaus die Fälle auf, die woanders nicht behandelt werden konnten. Es ist ausgestattet mit den gängigen medizinischen Geräten und beherbergt einen Operationssaal, der vergleichbar ist mit den anderen Operationssälen der Krankenhäuser in Khartoum, Khartoum-Nord und Omdurman und ebenfalls über eine zentrale Klimaanlage verfügt. In dem Krankenhaus gibt es eine Stromversorgungsanlage für den Notfall, die bei Stromausfall automatisch in Betrieb geht und eineinhalb Stunden läuft. Zusätzlich gibt es noch ein Notstromaggregat. Die Neugeborenenstation des Krankenhauses ist mit Geräten europäischen Standards ausgerüstet. 24 Stunden nach Eröffnung des Krankenhauses hatten bereits alle Stationen Patienten aufgnommen, Operationen wurden durchgeführt und im Kreißsaal war Betrieb.
Das Krankenhaus wurde auf der Grundlage eines Abkommens mit der türkischen Regierung gebaut. Es gilt als Geschenk des türkischen Volkes an das sudanesische. Die Kosten beliefen sich auf etwa 54 Mio. US$.
Der Rote Halbmond
Der Verband des sudanesischen Roten Halbmonds wurde gemäß Kabinettsbeschluß Nr. 16 im März 1957 gegründet. Er gilt somit als einer der ältesten ehrenamtlichen sudanesischen Vereine. Im Oktober 1957 wurde der Verband auf dem 19. Kongreß des Internationalen Roten Kreuzes in Neu Delhi international als nationaler Verein anerkannt. Gleichzeitig war der Verein Gründungsmitglied des Generalsekretariates der arabischen Verbände des Roten Halbmondes und des Roten Kreuzes mit Sitz in Jiddah (Saudi Arabien).
Die Organisation ist ein ehrenamtlicher Verein, der sich den sieben Grundprinzipien verpflichtet hat, welche von der internationalen Bewegung des Roten Kreuzes und Roten Halbmondes aufgestellt wurden. In jedem Land gibt es nur einen Verein des Roten Kreuzes oder des Roten Halbmondes; es wird vom Staat immer jeweils nur eine Organisation im Land anerkannt.
Ihre Aufgaben sind vielfältig, so gibt es etwa im Gesundheitswesen mehrere Programme, z.B.: Gesundheitliche Grundversorgung Lebensrettung von Kindern
Erste-Hilfe-Kurse
Ambulanzen
Volksapotheken
Das Projekt Wadsharifi für Flüchtlinge - Kassala
Außerdem erfüllt der Verband wichtige Aufgaben in Komitees auf verschiedenen Ebenen: Sudanesischer Verband ehrenamtlich tätiger Vereine Nationalrat zur Bekämpfung des Analphabetismus und für Erwachsenenbildung
Sudanesischer Grüner Halbmond (im Aufbau begriffen)
Nationales Komitee für Bekleidung
Komitee für Kriegsverletzte
Komitee zur Ausstattung von Einrichtungen für Medizin und Gesdundheit
Bekämpfung schädlicher Bräuche
Sudanesischer Verein für Jugendfürsorge
Wohlfahrsorganisation as-Silamabi
In Guerillakriegen gefangengenommene Kinder
Fond zur Bekämpfung von Malaria
Grünes Land
Bank der Armen
Vorstand der Gesellschaft Frieden und Entwickung
Komitee zur Organisation ehrenamtlicher Tätigkeit
Aufsichtsrat des Institutes für Katastrophenschutz und Flüchtlingsstudien
Die Vereinigung arbeitet mit dem Staat zusammen: in Friedenszeiten mit dem Gesundheitsministerium und während des Krieges mit den militärischen Stellen. Sie gilt als Hilfsorgan des Staatsapparates in den Bereichen Gesundheit und Sozialfürsorge. Zielgruppen sind die Meistgeschädigten unter den Katastrophenopfern, unter denen Frauen, Kinder und alte Menschen einen hohen Anteil ausmachen. Flüchtlingshilfe stellt einen weiteren Teil ihrer Arbeit dar.
Der Rote Halbmond stellt seine Gesundheitsdienste mehr als 65.000 Flüchtlingen im Lager von Wad Sharifi, Flüchtlingen aus Eritrea bei Kassala und fünf Flüchtlingslagern in der Provinz Gedaref zur Verfügung.
Andere Angebote der Organisation sind Ausbildungen im Gesundheitsbereich und Aufklärungskampagnen zu Hygiene und Gesundheit, Ernährungsprogramme, Behandlungen und Dienste der sozialen Fürsorge. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit der Flüchtlingsgesandschaft und dem Hohen Kommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR). Der Verein engagiert sich auch bei der Suche nach Vermißten.